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Главная » 2014 » Апрель » 26 » Viktor Arndt "Warenburg an der Wolga"
17:33
Viktor Arndt "Warenburg an der Wolga"

Von Johannes zu Iwan

Und da komme ich schon zu einem anderen Thema, das unsere Volksgruppe wie kaum eine andere betrifft: unsere Namen. Nicht genug, dass man uns unserer Heimat beraubt hat, dass wir unsere Muttersprache fast eingebüßt haben, nein, auch viele deutsche Namen hat man derart verunstaltet oder man hat einfach eine russische Version dafür gefunden, dass sich so mancher bestimmt gefragt hat: Wer bin ich denn nun - ein Johannes oder ein Iwan?

Das Schlimme dabei ist, dass sich auch die bundesdeutschen Behörden oft keine große Mühe geben, wenigstens etwas Ordnung in diesen unsäglichen Namenswirrwarr der Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion zu bringen. Ich habe den Eindruck, dass viele Beamten, die sich mit den Aussiedlern und deren Problemen befassen, oft gar nicht wissen (wollen), welch tragische Geschichte (auch heute noch) hinter jedem Ankömmling steht und wie sich unsere Aussiedlung damals abgespielt hat. Es war doch in der damaligen SU so, dass man seine Geburtsurkunde das erste Mal mit der Vollendung des 16. Lebensjahres zu Gesicht bekam, da man sie für die Ausstellung eines Passes brauchte. Zudem hatten die Kolchosbauern auch gar keine Pässe, denn Leibeigene brauchen so etwas bekanntlich nicht.

Im Sommer 1941 gab es in Warenburg meines Wissens zwei Rundfunkempfänger, einen in der MTS, den anderen im Kinderheim. Sie wurden nach Ausbruch des Krieges beschlagnahmt. Einige Tage vor dem Erscheinen des Erlasses des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR in der Presse wurden in jedem Ort Posten der Truppen des NKWD stationiert, und erst nach dieser Absicherung erschien dann der für uns verhängnisvolle Erlass in der Tagespresse. Es wurden Listen angefertigt, indem man von Haus zu Haus ging und nach den Namen fragte. Dabei war der

Fragende ein Russe, und der Antwortende sprach meist kein Wort Russisch. Das spielte sich dann etwa so ab: „Name?" „Pfeiffer." „Aha, Feifer." „Vorname?" „Johannes." „Snatschit, Iwan." So wurde aus Wilhelm Wassili, aus Konrad Kon-drat, aus Minna Nina, aus Berta Wera, aus Raimund Roman, aus Felicitas Fenja, aus Gottlieb Kotlik, wenn er Glück hatte, dann Bogdan. In Sibirien (Kasachstan, Altai) angekommen, wurden nochmals Listen angefertigt, und das Drama mit den Namen ging weiter. Mit der Zeit, nachdem man uns unsere Ansiedlung für alle Ewigkeit angekündigt hatte, passten einige unserer Landsleute ihre Namen den russischen an, und Irma wurde zu Irina, Heinrich hieß dann Andrej, Friedrich Fjodor oder Fedja. Eine alte Frau hieß auf diese Weise plötzlich Jelisaweta Genokrejewna. Sie hieß Elisabeth, ihr Vatersname wäre auf russische Art Genrichowna gewesen.

Als ich vor einiger Zeit hier in Deutschland mit meinem Bruder bei der Ausländerbehörde war, händigte die Dame ihm die Einbürgerungsurkunde aus mit der Bemerkung: „Ihr Name ist laut Geburtsurkunde nicht Alexander, sondern Alek-sandr, und geboren sind sie nicht in Warenburg, sondern in Priwolnoje." Ich versuchte ihr zu erklären, dass das die russische Schreibweise ist und dass es bei unserer Geburt kein Priwolnoje, sondern ein Alt-Warenburg gegeben hatte. Da holte sie ein Druckwerk hervor, in dem schwarz auf weiß stand, wie man zu heißen und wo man geboren zu sein hat. Ich sagte zu meinem Bruder: „Komm, lass uns gehen, es hat doch keinen Sinn, Hauptsache, du weißt, wie du heißt und woher du kommst."

Das gleiche gilt auch für die Ortsnamen. Je nach politischer Großwetterlage verpasste man den deutschen Dörfern und Kolonien mal russische, mal deutsche Namen. Ich lege Wert darauf, dass ich aus der Republik der Wolgadeutschen komme und nicht aus dem Gebiet Saratow...

Viktor Arndt "Warenburg an der Wolga"

"Heimatbuch der Deutschen aus Rußland" .2000. II Teil

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