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Ebel Waldemar
wolgadeutscheДата: Пятница, 22.01.2016, 14:09 | Сообщение # 1
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Waldemar Ebel ist 1951 im Dorf Neninka, Region Altai in einer Bauernfamilie geboren. 1973 absolvierte er die Altaier polytechnische Hochschule, arbeitet als Ingenieur in einem Betrieb, wohnt in Barnaul. Die Humoreske „Die Kräppel" ist die erste Veröffentlichung von Waldemar Ebel.
 
wolgadeutscheДата: Пятница, 22.01.2016, 14:09 | Сообщение # 2
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DIE KRÄPPEL

Sind Sie nicht ein Feinschmecker? Nicht? Schade! Und ich bin einer. Deswegen habe ich von meinem ledigen Leben Abschied genommen. Ich erinnere mich noch ganz gut daran, wie mich Lieschen zu sich eingeladen hatte und mit heißen gebräunten Kräppeln bewirtete. Kaum hatte ich den ersten Kräppel aufgegessen, so wurde mir klar, daß ich verloren bin. Ich verschlang sie einen nach dem andern und konnte nicht aufhören.

,,Willst du noch?" fragte Lieschen mit liebevoller Stimme und leuchtenden Augen. „Ha", antwortete ich, und sie eilte in die Küche. Nach einigen Minuten standen vor mir wieder heiße frischgebackene duftende Kräppelchen.

Am nächsten Tag machte ich Lieschen meinen Heiratsantrag, und nach einem Monat war mein Schicksal besiegelt. So bin ich bei meinem Lieschen in Gefangenschaft geraten, besser gesagt: bei ihren Kräppeln. Seitdem kann ich nicht mehr ohne schmackhaftes Essen leben. Wissen Sie schon, was Bischofsbrot ist? Wohl nicht? Es wird aus Butter, Zucker, Eiern, Mehl, Wallnüssen, Mandeln, Kochschokolade und anderen Backzutaten bereitet. Es muß goldgelb gebacken und dann noch mit Vanillezucker bestreut werden.

Vielleicht haben Sie schon mal Brasilianische Torte gekostet? Sehr bedauerlich. Das ist eine sehr schwere und sättigende Torte, die noch viel herrlicher mit Obstsaft schmeckt. Oder hatten Sie mal das Glück, Berliner Eisbein zu essen? Oder die tschechischen leckeren Zwetschenknödel? Wie? Sogar die Betrunkene Torte nicht? Sehr schade! Sie haben viel verloren.

Übrigens habe auch ich nichts davon im Mund gehabt. All dies habe ich heimlich von meiner Frau in ihren verschiedenen Kochbüchern gelesen. Von denen hat sie so viele, daß das Bücherbrett fast durchbricht. Und dazu schneidet sie allerlei Speiserezepte aus Zeitschriften und Reklameblättern heraus, schreibt sie bei ihren Freundinnen und Bekannten ab, erlauscht sie in der Straßenbahn, und Gott weiß noch wo. Im Bücherschrank ist ein ganzes Fach voll von Heften mit solchen Notizen — und all dies von der schmackhaften und gesunden Speise!

Entschuldigen Sie bitte, beim Erzählen habe ich fast vergessen, auf die Zeit achtzugeben. Bald muß meine Frau zurückkommen. Sie rennt wieder nach einem neuen Buch über Kochkunst in der Stadt herum. Und bei mir ist noch kein Teig angerührt. Vor dem Weggehen befahl sie mir, Kräppel zu backen. Ich muß sie oft backen, weil meine Frau sie sehr gern ißt. Selbst versteht sie das Backen nicht. Gewiß, meine Kräppel sind weit nicht so gut, wie jene an dem denkwürdigen Tag, und deswegen ist es stets eine Ursache zum Streiten.

Wie, was? Wie hat sie denn die Kräppelchen damals gebacken? Ach, das war ja gar nicht sie, sondern ihre Mutter. Und Lieschen hat die verdammten Kräppel nur aus der Küche auf den Tisch getragen. Also sind Sie kein Feinschmecker? Keiner? Ach, wie beneide ich Sie!


"Unserer Wort"  .Almanach.Altai. №1 1991
 
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